Als ich vor einigen Jahren begann, mich für Mimik und Körpersprache zu interessieren und darüber zu recherchieren, wie wir die einzelnen mimischen und körpersprachlichen Signale erkennen können, hätte ich niemals geahnt, wie umfangreich und weitreichend dieses Thema im Grunde ist und in welche Tiefen des menschlichen Daseins ich mich begeben würde. Was es nun genau war, das ich ergründen wollte, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Nur eins wusste ich: Ich wollte keine Anleitungen für erfolgsversprechendes Auftreten erlernen, um festzustellen, dass diese Anleitungen letztendlich nur dazu führen würden, an Authentizität einzubüßen. Nicht, dass ich nicht den Nutzen dieser praktischen Infos zu schätzen weiss. Aber sollte ich wirklich in einem Seminar vor meinen Teilnehmern stehen und die uns allen bekannte Raute vor meinem Solarplexus imitieren, um auf diese Weise wie Mutti meine Arme und Hände unter Kontrolle zu halten?
Wenn ich es jemals tun sollte, schwor ich mir, dann nur, weil mir danach sein würde und nicht, weil es besser auf meine Umwelt wirkt. Nein, das war es nicht, wonach ich suchte. 

Vielmehr interessierten mich Fragen wie diese:

Warum entgleiten uns unsere Gesichtszüge in manchen Situationen?
Woher kommen Ticks?
Woran erkennen wir eine Lüge?
Warum berühren wir uns z.B. im Gesicht, wenn wir gestresst sind, ohne, dass wir uns darüber bewusst sind?
Was ist Stress überhaupt?
Wie und warum entstehen Wut, Angst oder unkontrollierbare Lachanfälle und warum bricht uns in bestimmten Situationen der Schweiß aus?

Bei meinen Recherchen kam ich natürlich nicht an Paul Ekman vorbei. Paul Ekman ist amerikanischer Psychologe und unumstrittener Vorreiter und Megaexperte für Mimik und Emotionen. Seit den sechziger Jahren erforschte er intensiv auf der ganzen Welt Emotionen, Gesichtsausdrücke, mimische Bewegungen und den Zusammenhang zwischen Emotion und Muskelbewegung. Anhand seiner umfangreichen Forschungsreihen kam er zu dem Schluss, dass es universelle und kulturübergreifende Emotionen gibt, die jeder Mensch ausdrücken und interpretieren kann. Er entwickelte ein Kategorisierungssystem, das sogenannte Facial Acting Coding System, mit dem wir die von ihm definierten sieben Basisemotionen anhand mimischer Bewegungen erkennen können.

Was aber machte ihn so sicher, dass diese Emotionen immer auf die gleiche Weise ausgedrückt werden und warum steckt so viel Wahrheitsgehalt in ihnen?
Die Antwort finden wir im Gehirn, genauer gesagt, im Limbischen System, das direkt mit unseren Gesichtsmuskeln in Wechselwirkung steht. Als eine von drei Funktionseinheiten des Gehirns stellt das Limbische System unsere emotionale Bewertungsinstanz dar. 95% unserer gesamten Hirnaktivität läuft über diese Funktionseinheit ab. Jeder Impuls wird vom Limbischen System bewertet, wobei diese Bewertungen direkt und ungefiltert über die Mimik zum Ausdruck gebracht werden.
Im Umkehrschluss heisst das, dass wir jede Emotion, selbst angedeutet und kaum sichtbar, im Gesicht erkennen können, wenn wir wissen, welche Muskelpartien für sie verantwortlich sind.
Also begann ich zu üben. Ich beobachtete mich selbst und die Menschen um mich herum, übte vor dem Spiegel, um die Bewegungen und damit die Emotionen zu erzeugen, sah mir Talkshows und Realities an und analysierte die Gesichtsausdrücke der Menschen, die ich fotografierte. Nach und nach lernte ich, meine eigenen Emotionen genauer wahrzunehmen. Ich fand heraus, welche Auslöser mich wütend oder traurig machten, welche unterbewussten Unsicherheiten und Ängste ich hatte und wie sehr sich meine Wahrnehmung je nach Emotion färbte. Mir wurde klar, dass wir im Grunde nahezu alles durch den Filter unserer Emotionen wahrnehmen.

Wenn also diese unbewusst erzeugten Reaktionen ganze 95% unseres Lebens ausmachen und wir praktisch in einer Blase der emotionalen Unbewusstheit durchs Leben wandern, kann es da etwas wichtigeres geben als aus dieser Blase zu schlüpfen, um uns endlich frei zu bewegen? Uns darüber bewusst zu werden, was zu tun ist, um emotional intelligent zu agieren und zu re-agieren?

Seitdem mir die Tragweite dieser Erkenntnisse gewahr wurde, kann ich nicht anders, als immer weiter in die Tiefen unseres Gehirns einzudringen. Ich möchte die bewussten und unterbewussten Mechanismen erforschen und helfen, sie auf diese Weise zu optimieren. Mein Wissen ziehe ich aus den jüngsten Erkenntnissen der Hirn- und Emotionsforschung, der Psychologie und Neurologie, sowie der Epigenetik und versuche, all dieses Wissen in einzelne Themenbereiche zu bündeln und anderen interessierten Menschen, wir dir, zu vermitteln. Denn für jeden von uns ist es wichtig, sein wahres Potenzial zu erkennen. Nur so können wir unterbewusste Blockaden, Unsicherheiten oder negative Empfindungen abbauen und sie durch konstruktive Emotionen ersetzen. Ich freue mich darauf, all diese Erkenntnisse aufbereitet weiterzutragen und Lösungen zur Optimierung unseres Lebens zu finden. 

Nenn diese Erkenntnisse, wie du möchtest. Ich nenne sie DECODING.